Website/content/posts/2025-03-25-Third-Mission.md aktualisiert
This commit is contained in:
parent
503af8a01e
commit
75ec714631
|
@ -1,24 +1,26 @@
|
|||
# Fürchtet euch nicht: OER und die Third Mission
|
||||

|
||||
© [unsplash](https://unsplash.com/photos/ppJjSjpaw58/download?ixid=M3wxMjA3fDB8MXxhbGx8fHx8fHx8fHwxNzQyODg1MDE5fA&force=true$0)
|
||||
|
||||
## Was sind Open Educational Resources? Wofür steht die Third Mission? Und was hat das mit Theologie zu tun? Phillip Angelina und Laura Mößle geben auf [y-nachten](https://y-nachten.de/2025/03/oer-und-die-third-mission/) Einblick in die vielfältige Welt des „open“
|
||||
|
||||
### Alle reden von OER - was ist das eigentlich?
|
||||
Offene Vorlesungsreihen auf YouTube, Podcasts, Blogs, Podiumsdiskussionen und die Beteiligung an Wikipedia-Einträgen machen deutlich, dass sich das Geschehen an Hochschulen zunehmend öffnet, um mit einer interessierten Öffentlichkeit transparent zu kommunizieren sowie Diskurse breiter zugänglich zu machen [vgl. Mößle, Pirker 2024](https://www.theo-web.de/ausgaben/2023/22-jahrgang-2023-heft-1/news/open-educational-practices-als-wissenstransfer-welche-potenziale-hat-die-religionspaedagogik-auf-dem-weg-ins-open).
|
||||
Offene Vorlesungsreihen auf YouTube, Podcasts, Blogs, Podiumsdiskussionen und die Beteiligung an Wikipedia-Einträgen machen deutlich, dass sich das Geschehen an Hochschulen zunehmend öffnet, um mit einer interessierten Öffentlichkeit transparent zu kommunizieren sowie Diskurse breiter zugänglich zu machen ([vgl. Mößle, Pirker 2024](https://www.theo-web.de/ausgaben/2023/22-jahrgang-2023-heft-1/news/open-educational-practices-als-wissenstransfer-welche-potenziale-hat-die-religionspaedagogik-auf-dem-weg-ins-open)).
|
||||
Für viele wirkt aber gerade die wissenschaftliche Theologie wie eine Disziplin für Expert:innen, geprägt von antiken Sprachen, dogmatischen Gerüsten und traditionsgebundenen Denken, das ein hohes Maß an Vorwissen erfordert.
|
||||
Doch muss die Theologie wirklich so fern und unverständlich wirken? Die *Open-Science-Bewegung* zielt auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit und fordert Wissenschaftler:innen sowie Akteur:innen aus Politik, Wirtschaft und Kultur dazu auf, zum Austausch beizutragen und den wissenschaftlichen Dialog im Sinne einer Demokratisierung des Wissens mitzugestalten [vgl. Siegfried, Scherp, Linek, Flieger 2024](https://www.econstor.eu/handle/10419/303026). Hierbei kommt den *Open Educational Resources*, kurz OER, eine bedeutsame Rolle zu.
|
||||
Doch muss die Theologie wirklich so fern und unverständlich wirken? Die *Open-Science-Bewegung* zielt auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit und fordert Wissenschaftler:innen sowie Akteur:innen aus Politik, Wirtschaft und Kultur dazu auf, zum Austausch beizutragen und den wissenschaftlichen Dialog im Sinne einer Demokratisierung des Wissens mitzugestalten ([vgl. Siegfried, Scherp, Linek, Flieger 2024](https://www.econstor.eu/handle/10419/303026)). Hierbei kommt den *Open Educational Resources*, kurz OER, eine bedeutsame Rolle zu.
|
||||
OER sind frei zugängliche Bildungsmaterialien, die in unterschiedlichen Formaten und Medien vorliegen können. Sie stehen unter einer offenen Lizenz, die es ermöglicht, sie kostenlos zu nutzen, zu verändern und mit oder ohne Änderungen weiterzugeben, mit wenigen oder gar keinen Einschränkungen. Ob einzelne Arbeitsblätter, komplette Lehrbücher, Onlinekurse, Videos oder Podcasts, solange sie offen, d.h. mit CC-Lizenzen versehen sind, gelten sie als OER.
|
||||
Ziel ist es, Bildung für alle zugänglicher und flexibler zu machen [vgl. UNESCO 2019](https://www.unesco.org/en/open-educational-resources). OER unterscheiden sich von kostenlosen Materialien durch die rechtssichere Möglichkeit der Bearbeitung und Weiterverbreitung, vgl. exemplarisch die OER-Lizensierung bei [Pirner 2024](https://oer.community/sind-youtube-videos-oer-faehig/).
|
||||
Ziel ist es, Bildung für alle zugänglicher und flexibler zu machen ([vgl. UNESCO 2019](https://www.unesco.org/en/open-educational-resources)). OER unterscheiden sich von kostenlosen Materialien durch die rechtssichere Möglichkeit der Bearbeitung und Weiterverbreitung, vgl. exemplarisch die OER-Lizensierung bei ([Pirner 2024](https://oer.community/sind-youtube-videos-oer-faehig/)).
|
||||
Dies ermöglicht sowohl Lehrenden die Anpassung der Lehrmaterialien an ihre Zielgruppe als auch Lernenden die Bearbeitung der Materialien für sich und ihre Lerngruppe.
|
||||
|
||||
### OER braucht Praxis! Open Educational Practice
|
||||
OER allein führen jedoch nicht zu einer Bildungsreform. Eine partizipative Lehr- und Lernkultur ist notwendig und es bedarf einer gewissen Haltung und Praxis, damit OER entstehen und weiterentwickelt werden können, die sog. *Open Educational Practices* (OEP). Die Definition von [Cronin 2017, 4](https://www.irrodl.org/index.php/irrodl/article/view/3096/4263) gibt einen guten Einblick, um was es sich dabei handelt. OEP sind:
|
||||
OER allein führen jedoch nicht zu einer Bildungsreform. Eine partizipative Lehr- und Lernkultur ist notwendig und es bedarf einer gewissen Haltung und Praxis, damit OER entstehen und weiterentwickelt werden können, die sog. *Open Educational Practices* (OEP). Die Definition von ([Cronin 2017, 4](https://www.irrodl.org/index.php/irrodl/article/view/3096/4263)) gibt einen guten Einblick, um was es sich dabei handelt. OEP sind:
|
||||
|
||||
»collaborative practices that include the creation, use, and reuse of OER, as well as pedagogical practices employing participatory technologies and social networks for interaction, peer-learning, knowledge creation, and empowerment of learners« .
|
||||
|
||||
OEP sind also kollaborative Praktiken, die rund um OER stattfinden und den Prozess der OER-Erstellung und Bearbeitung von Anfang an mitbestimmen. Besonders wichtig sind dabei soziale Netzwerke und Communities. Diese können Lernende, Lehrende, Expert:innen oder Fächergruppen umfassen, die sich austauschen, OER weiterentwickeln und sich gegenseitig motivieren, neue Ansätze zu erproben.
|
||||
|
||||
### Third Mission an Hochschulen: Über die Grenzen hinaus
|
||||
Unter dem Schlagwort *Third Mission*, also der dritten Mission von Hochschule neben Forschung und Lehre, stehen die zentralen Fragen: Wie kann sich Hochschule für die Gesellschaft öffnen? Und wie lässt sich der Austausch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit fördern? Hierbei tritt die Hochschule in wechselseitige Interaktion mit der Gesellschaft und ist offen für Erwartungen, Herausforderungen und Fragen, die an sie gerichtet werden. Im Sinne der wissenschaftlichen Weiterbildung gehört es auch zur Third Mission, Lernaktivitäten zu entwickeln, die Fähigkeiten und Kompetenzen in persönlicher, gesellschaftlicher oder beruflicher Perspektive erhöhen [vgl. Roessler 2015](https://www.wissenschaftsmanagement.de/dateien/dateien/weiterbildung/downloaddateien/wim_2015_02_isabell_roessler_third_mission.pdf).
|
||||
Unter dem Schlagwort *Third Mission*, also der dritten Mission von Hochschule neben Forschung und Lehre, stehen die zentralen Fragen: Wie kann sich Hochschule für die Gesellschaft öffnen? Und wie lässt sich der Austausch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit fördern? Hierbei tritt die Hochschule in wechselseitige Interaktion mit der Gesellschaft und ist offen für Erwartungen, Herausforderungen und Fragen, die an sie gerichtet werden. Im Sinne der wissenschaftlichen Weiterbildung gehört es auch zur Third Mission, Lernaktivitäten zu entwickeln, die Fähigkeiten und Kompetenzen in persönlicher, gesellschaftlicher oder beruflicher Perspektive erhöhen ([vgl. Roessler 2015](https://www.wissenschaftsmanagement.de/dateien/dateien/weiterbildung/downloaddateien/wim_2015_02_isabell_roessler_third_mission.pdf)).
|
||||
Aus der Perspektive theologischer Hochschullehre lässt sich dieser Aspekt besonders fruchtbar mit OER und OEP verknüpfen und kann die Third Mission sogar weiterentwickeln. Denn Theologie lebt nicht nur vom reinen Wissenstransfer, sondern auch von der dialogischen Auseinandersetzung und der gemeinsamen Suche. Hierfür ist eine Kultur der Partizipation ein *Gamechanger*.
|
||||
Denn OER bietet mehr als nur den offenen Zugang zu Materialien. Es schafft Bewusstsein für Lizensierungen und ermöglicht eine Kultur des Teilens. So könnte zum Beispiel eine Vorlesung aus dem Theologiestudium nicht nur öffentlich zugänglich gemacht werden, sondern – im Sinne von OER – auch zur Weiterverarbeitung und Anpassung einladen. Damit hätten Kirchengemeinden, Bildungseinrichtungen oder interreligiöse Dialogkreise Zugang zu Materialien und könnten sie für ihren Kontext anpassen, mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und Erkenntnisgewinnen weiterentwickeln und wiederum mit anderen teilen.
|
||||
Theologie ist in ihrem Kern auf Dialog auslegt, sei es mit anderen Disziplinen, Religionen oder der Gesellschaft. OER und OEP fördern diese Lehr- und Lernkultur, in der Menschen miteinander in Beziehung treten, Wissen teilen und sich gegenseitig inspirieren können. Dies entspricht nicht nur dem Kerngedanken der *Third Mission*, sondern auch der theologischen Grundhaltung, dass Erkenntnis vor allem im Dialog wächst.
|
||||
|
|
Loading…
Reference in a new issue